Viele Hundebesitzer kennen den Moment: Der einst energiegeladene Vierbeiner springt plötzlich nicht mehr voller Freude ins Auto, braucht beim Spaziergang etwas länger, um in Gang zu kommen, oder wirkt einfach „gemütlicher“ als früher. Hinter solch stillen Veränderungen steckt häufig eine Erkrankung, die weitaus mehr verursacht als nur „Alterssteifheit“: Osteoarthritis, besser bekannt als Arthrose. Sie gehört zu den häufigsten chronischen Gelenkerkrankungen beim Hund und betrifft bis zu jeden fünften Vierbeiner. Die Anzeichen sind meist subtil, entwickeln sich langsam und werden daher oft als „Er wird eben alt“ abgetan.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, warum das nicht stimmt – und wie Sie die leisen Signale frühzeitig erkennen können, um Ihrem Hund ein schmerzfreieres, aktives Leben zu ermöglichen.
bis zu 20% aller Hunde sind betroffen
vor allem grosse Hunderassen
Bewegungsunlust, Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anlauflahmheit
Keine Heilung, aber bessere Lebensqualität durch multimodale Therapie
Arthrose ist eine chronische Degeneration des Gelenkknorpels, bei der es zu einem fortschreitenden Abbau des Knorpels kommt. Das betroffene Gelenk verliert zunehmend an Beweglichkeit und verursacht Schmerzen.
Arthrose kann entstehen durch:
Es gibt tatsächlich eine Rassenprädisposition bei großen, schweren und stämmigen Hunden. Insbesondere betroffen sind Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde und Berner Sennenhunde. Am wenigsten betroffen sind Whippets oder Greyhounds, da sie schlank, leichtfüssig sind und über sehr gut koordinierte Bewegungen verfügen.
Am häufigsten sind Hüfte, Ellbogen und Knie betroffen, grundsätzlich kann Arthrose jedoch jedes Gelenk betreffen.
Die Symptome werden häufig übersehen und als normaler Alterungsprozess fehlinterpretiert. Die klassische Lahmheit zeigt sich besonders nach dem Aufstehen und bessert sich nach kurzer Bewegung.
Ein Hund, der früher voller Begeisterung Treppen gestürmt ist oder beim Spielen kaum zu bremsen war, wird plötzlich vorsichtiger, ruhiger oder weniger ausdauernd. Viele Hunde legen sich häufiger hin, spielen weniger, verweigern Sprünge, zögern beim Aufstehen oder wirken schlicht „unlustig“. Manche reagieren gereizter, andere ziehen sich zurück oder suchen weniger körperliche Nähe als früher. Diese Veränderungen wirken oft wie der normale Lauf der Zeit – doch in Wahrheit handelt es sich um stille Bewältigungsstrategien eines Tieres, das Schmerzen hat.
Wenn du solche Anzeichen bei deinem Hund festgestellt hast, dann lohnt sich ein Tierarztbesuch. Eine klinische und orthopädische Untersuchung hilft, das Krankheitsbild einzugrenzen. Eventuell kann der Tierarzt eine Verdickung des betroffenen Gelenks feststellen, eine verminderte Beweglichkeit oder bereits einen Muskelschwund. Zusätzlich können Röntgenbilder angefertigt werden. Typische Anzeichen von Arthrose im Röntgen sind häufig: Gelenkerguss, periartikuläre Schwellung, Osteophyten (Knochenanbauten), subchondrale Sklerose, teilweise verengter Gelenkspalt.
Eine der wichtigsten Informationen ist, dass Arthrose leider nicht heilbar ist. Der einmal geschädigte Gelenkknorpel kann sich nicht regenerieren. Dennoch ist diese Diagnose alles andere als ein Grund zur Resignation. Das Ziel einer Behandlung besteht nicht darin, den Schaden rückgängig zu machen, sondern den Hund so schmerzarm und mobil wie möglich zu halten. Es geht darum, die Entzündung zu kontrollieren, die Beweglichkeit zu erhalten und den Fortschritt der Erkrankung zu bremsen.
Ein Gelenk, das durch Arthrose schmerzt, wird vom Hund automatisch geschont. Er bewegt sich weniger, um den Schmerz zu vermeiden. Durch diese Inaktivität baut sich jedoch nach und nach die Muskulatur ab. Schwächere Muskeln stabilisieren das betroffene Gelenk nicht mehr ausreichend, wodurch die Belastung auf Gelenkkapsel, Knorpel und Bänder steigt. Das führt zu weiterem Knorpelschaden und neuen Entzündungen. Die Schmerzen nehmen wieder zu – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Viele Besitzer glauben, Schonung sei hilfreich, doch sie verschlechtert den Zustand langfristig weiter. Zentral für die Therapie ist es, diesen Schmerzkreislauf zu durchbrechen. Moderne Schmerzmittel spielen dabei eine zentrale Rolle. Neben klassischen entzündungshemmenden Medikamenten stehen heute auch Antikörpertherapien zur Verfügung, die besonders bei chronischen Schmerzen sehr gute Ergebnisse liefern. Zusätzlich gibt es lokale Gelenksinfiltrationen oder chirurgische Maßnahmen, die in bestimmten Fällen sinnvoll sein können.
Parallel dazu spielt die Physiotherapie eine wichtige Rolle. Durch gezielte Übungen, Mobilisationstechniken und den Aufbau stabilisierender Muskulatur wird das betroffene Gelenk entlastet und beweglich gehalten. Auch das Körpergewicht des Hundes ist ein zentraler Faktor, denn jedes überflüssige Kilo belastet die Gelenke zusätzlich. Ergänzend können bestimmte Nährstoffe wie Glucosamin, Chondroitin oder Omega-3-Fettsäuren die Behandlung unterstützen. Manche Besitzer interessieren sich auch für Homöopathie oder alternative Verfahren wie Laser, Akupunktur oder Magnetfeldtherapie. Einzelne Hunde empfinden durch diese komplementärmedizinischen Therapien eine Verbesserung ihres Wohlbefindens; wichtig ist jedoch, dass solche Ansätze immer nur begleitend eingesetzt werden – niemals als alleinige Therapie, wenn der Hund Schmerzen hat.
Falls dein Hund übergewichtig ist, ist eine kontrollierte Gewichtsreduktion eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Beschwerden zu lindern. Jedes zusätzliche Kilo bedeutet eine deutlich höhere Belastung für die bereits schmerzenden Gelenke.
Arthrose ist mehr als nur ein Zeichen des Alterns. Sie ist eine ernstzunehmende, schmerzhafte Erkrankung, die viel zu oft unerkannt bleibt, weil ihre Anzeichen still und schleichend auftreten. Ein genauer Blick lohnt sich. Wenn Ihr Hund in letzter Zeit weniger Freude an Bewegung zeigt, bestimmte Aktivitäten meidet oder Ihnen auffällt, dass er sich verändert hat, könnte sich dahinter mehr verbergen als bloße Altersmüdigkeit. Die wichtigste Frage bleibt: Was tun? In solchen Fällen ist ein Gespräch mit Ihrem Tierarzt der beste nächste Schritt. Sie sind die wichtigste Stimme Ihres Hundes – und mit rechtzeitiger Unterstützung kann er trotz Arthrose ein glückliches, bewegtes und schmerzfreies Leben führen.
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