Zoonosen: Was deine Fellnase mit dir teilen kann und was nicht
Kuscheln auf dem Sofa, ein Schlecker übers Gesicht, die Katze am Fussende des Bettes: Nähe zu unseren Vierbeinern gehört einfach dazu. Manchmal reisen dabei allerdings Krankheitserreger mit. Keine Panik: Mit ein paar einfachen Regeln bleibt das Risiko klein. Wir zeigen dir, welche Zoonosen in der Schweiz eine Rolle spielen und wie du dich und deine Fellnase schützt.

Was sind Zoonosen überhaupt?
Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Das klingt erst einmal beunruhigend, ist im Alltag mit einem gesunden, gut versorgten Haustier aber gut im Griff. Einen Überblick über die in der Schweiz überwachten Zoonosen gibt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Die meisten Erreger werden über Kot, Speichel, Kratzer oder engen Hautkontakt weitergegeben. Genau dort setzt auch der Schutz an: bei der Gesundheitsvorsorge deines Vierbeiners und bei ein bisschen Hygiene im Alltag.
Würmer: klein, aber nicht harmlos
Spulwürmer gehören zu den häufigsten Parasiten bei Hund und Katze. Ein befallenes Tier scheidet mikroskopisch kleine Wurmeier mit dem Kot aus. Diese können lange in der Umgebung überleben, zum Beispiel im Garten oder im Sandkasten. Gelangen sie über verschmutzte Hände in den Mund, können sie beim Menschen Beschwerden verursachen. Besonders gefährdet sind kleine Kinder, die gerne alles anfassen und in den Mund nehmen.
In der Schweiz spielt zudem der Fuchsbandwurm eine Rolle. Er lebt vor allem in Füchsen, nur selten in Hunden. Anstecken kann sich dein Hund, wenn er infizierte Mäuse frisst. Und deine Katze, die viel öfter Mäuse jagt? Laut dem Institut für Parasitologie der Universität Bern entwickelt sich der Fuchsbandwurm in Katzen nur schlecht. Sie scheiden wenige Eier aus, und diese sind oft nicht ansteckend. Für Menschen ist das Risiko insgesamt sehr gering. Eine Erkrankung ist selten, kann aber ernst verlaufen. Für Hunde, die gerne mausen, empfehlen die Fachleute deshalb eine regelmässige Entwurmung mit einem gegen Bandwürmer wirksamen Mittel.
Der beste Schutz im Alltag: Hol die Hinterlassenschaften deines Hundes konsequent weg, wasch dir nach dem Kontakt mit Erde und Kot die Hände und lass deine Fellnase regelmässig entwurmen oder den Kot untersuchen. Wie oft das sinnvoll ist, hängt vom individuellen Risiko deines Tieres ab. Orientierung bietet die Empfehlung von ESCCAP Schweiz, die gemeinsam mit der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin erarbeitet wurde. Mehr dazu liest du auch in unserem Ratgeber zu Zecken, Flöhen und Würmern.
Toxoplasmose: Was Schwangere wissen sollten
Toxoplasmose ist wohl die bekannteste Zoonose rund um die Katze. Katzen scheiden den Erreger meist nur kurz nach ihrer ersten Ansteckung aus, und zwar über den Kot. Für die meisten gesunden Menschen verläuft eine Infektion unbemerkt oder mild. Heikel wird es in der Schwangerschaft, denn eine Erstinfektion kann dem ungeborenen Kind schaden.
Musst du deine Katze deshalb abgeben, wenn sich Nachwuchs ankündigt? Nein. Laut einer Fachinformation des BLV werden die ausgeschiedenen Erreger erst nach ein bis fünf Tagen ansteckend. Wird das Katzenklo täglich gereinigt, ist das Risiko also gering. Das Bundesamt für Gesundheit BAG rät Schwangeren, beim Reinigen Gummihandschuhe zu tragen, sich danach die Hände zu waschen und das Katzenklo nicht in der Küche aufzustellen. Noch einfacher: Jemand anderes übernimmt diese Aufgabe für ein paar Monate.
Hautpilz und Katzenkratzkrankheit
Hast du bei deiner Fellnase kreisrunde, kahle Stellen im Fell entdeckt? Dann könnte ein Hautpilz dahinterstecken. Der wird durch engen Kontakt übertragen und zeigt sich beim Menschen meist als runde, rötliche und juckende Flecken auf der Haut. Gut behandelbar, aber hartnäckig: Hier sollten Tier und Mensch gleichzeitig behandelt und Liegeplätze gründlich gereinigt werden.
Die Katzenkratzkrankheit wird durch Bakterien ausgelöst, die vor allem junge Katzen in sich tragen können, oft ohne selbst krank zu sein. Übertragen werden sie über Kratzer oder Bisse, eine wichtige Rolle spielen dabei Flöhe. Typisch sind geschwollene Lymphknoten in der Nähe der Verletzung. Reinige Kratzwunden deshalb immer gründlich und halte deine Katze flohfrei.
Giardien und Salmonellen: Wenn der Darm streikt
Giardien sind einzellige Darmparasiten, die bei Hunden und Katzen, vor allem bei Jungtieren, zu hartnäckigem Durchfall führen können. Eine Ansteckung des Menschen ist zwar möglich, kommt aber selten vor. Trotzdem gilt bei einem Befall: Kot sofort entfernen, Näpfe und Liegeplätze heiss reinigen und gründlich Hände waschen.
Fütterst du roh, zum Beispiel nach der BARF-Methode? Dann solltest du Salmonellen und andere Bakterien auf dem Schirm haben. Sie können im Fleisch stecken und über Hände, Küchenbretter oder Näpfe zu dir gelangen. Behandle rohes Tierfutter in der Küche deshalb genauso sorgfältig wie rohes Fleisch für dich selbst.
Und umgekehrt: Kann sich deine Fellnase bei dir anstecken?
Du liegst mit Schnupfen im Bett und deine Katze kuschelt sich an dich. Musst du dir Sorgen machen? In aller Regel nicht. Die typischen Erkältungsviren des Menschen sind für Hund und Katze kein Thema. Und das Niesen deiner Katze ist umgekehrt auch keine Erkältung, die du dir holen kannst. Hinter Katzenschnupfen stecken nämlich ganz andere Erreger, mehr dazu liest du in unserem Beitrag zum Katzenschnupfen.
Ganz ausgeschlossen ist eine Übertragung vom Menschen aufs Tier aber nicht. Beim Coronavirus etwa haben sich einzelne Hunde und Katzen bei ihren erkrankten Menschen angesteckt. Das BLV schätzt das Risiko als sehr gering ein, empfiehlt bei einer Erkrankung aber etwas Abstand: kein Kuscheln, kein Schlecken übers Gesicht und Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit Tier, Napf und Spielzeug.
Fünf Regeln für einen entspannten Alltag
Die gute Nachricht: Du musst nicht auf Kuscheleinheiten verzichten. Diese einfachen Gewohnheiten reichen, um das Risiko klein zu halten:
- Hände waschen nach dem Kontakt mit Kot, Katzenklo, Erde oder rohem Futter, vor allem vor dem Essen.
- Parasitenschutz regelmässig und abgestimmt aufs individuelle Risiko deiner Fellnase, gegen Würmer, Flöhe und Zecken.
- Kot sofort entfernen, im Garten genauso wie im Katzenklo, das du täglich reinigst.
- Vorsorge beim Tierarzt, inklusive der empfohlenen Impfungen für Hund und Katze.
- Gesicht und Wunden schützen: kein Schlecken über offene Wunden und Kratzer gründlich reinigen.
Besonders vorsichtig sein sollten Schwangere, kleine Kinder, ältere Menschen und alle, deren Immunsystem geschwächt ist. Für sie lohnt es sich, die Hygieneregeln besonders ernst zu nehmen und bei Fragen ärztlichen Rat einzuholen. Und planst du mit deiner Fellnase eine Reise ins Ausland? Dann informier dich vorher beim BLV über die Einreisevorschriften, denn in vielen Ländern ist zum Beispiel die Tollwut noch verbreitet.
Unser Tipp: Giardien, Hautpilz oder Wurmbefall bedeuten oft mehrere Tierarztbesuche. Als Calingo Kund:in reichst du jede Rechnung ganz einfach online im Kundenportal ein und siehst dort jederzeit, wie weit wir mit der Bearbeitung sind. Wie du eine Rechnung vollständig einreichst, damit es besonders schnell geht, erfährst du in unserem Beitrag Tierarztrechnung einreichen.
Eine gesunde Fellnase ist der beste Schutz für euch beide. Und falls sie doch einmal krank wird, bist du mit der Calingo Haustierversicherung gut abgesichert.
Ja, wenn sie gesund ist und einen guten Parasitenschutz hat. Achte besonders auf Flohschutz, wenn deine Katze Freigängerin ist, und wasch die Bettwäsche regelmässig.
Nein. Lass das Katzenklo täglich von jemand anderem reinigen oder trage dabei Handschuhe und wasch dir danach die Hände. Die wichtigste Toxoplasmose-Quelle ist laut BAG rohes oder ungenügend gegartes Fleisch. Bei Fragen hilft dir deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt weiter.
Bei einem gesunden, regelmässig entwurmten Hund ist das Risiko gering. Vermeide aber, dass er Wunden, Mund oder Augen schleckt, und sei bei kleinen Kindern, Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem zurückhaltender.
Das hängt vom Risiko deines Tieres ab, zum Beispiel davon, ob es Mäuse jagt, roh gefüttert wird oder viel Kontakt zu anderen Tieren hat. Viele Tierärzt:innen empfehlen, entweder regelmässig zu entwurmen oder den Kot untersuchen zu lassen. Sprich am besten mit deiner Tierarztpraxis über den passenden Rhythmus.
Dank einer grossen Impfkampagne bei Füchsen gilt die Schweiz laut BLV seit 1998 offiziell als tollwutfrei. Bei Fledermäusen kommen vereinzelt noch Fälle vor, deshalb solltest du verletzte Fledermäuse nie mit blossen Händen anfassen. Das grösste Risiko sind illegal eingeführte Tiere aus Ländern mit Tollwut. Für Reisen und die Einreise mit Hund oder Katze gelten deshalb strenge Vorschriften.
Von Haustiereltern für Haustiereltern
Die Gesundheit deiner Fellnase ist unser Job







