Ohrenentzündungen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Hunde beim Tierarzt vorgestellt werden. Circa 15-20% der Hunde werden deswegen beim Tierarzt vorgestellt. Eine rechtzeitige Erkennung ist wichtig, denn unbehandelte Ohrenentzündungen können schmerzhaft sein und sich von aussen nach innen ausbreiten.
In diesem Beitrag erfährst du, wie das Hundeohr aufgebaut ist, welche Ursachen hinter einer Ohrenentzündung stecken, welche Symptome du erkennen kannst und wie die Diagnose und Behandlung beim Tierarzt ablaufen.
häufig
lange Hängeohren
enge Ohrkanäle
stark behaarte Ohrkanäle
Schmerzen
Kopfschütteln, Juckreiz an den Ohren
stinkende Ohren
gerötete und warme Ohren
Ohrausfluss
evtl. Kopfschiefhaltung
lokale Therapie
systemische Therapie
Das Ohr besteht aus drei Abschnitten:
Der Fachbegriff „Otitis“ bezeichnet eine Entzündung von Teilen oder des gesamten Ohres. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Otitis externa, also die Entzündung des äusseren Gehörgangs. Sie ist mit Abstand die häufigste Form der Ohrenentzündung bei Hunden.

Eine Ohrenentzündung entsteht meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Prädisponierende Merkmale wie ein enger Gehörgang, Hängeohren (zum Beispiel beim Cocker Spaniel, Basset oder Bloodhound), eine dichte Behaarung des Gehörgangs (wie bei Pudel, Labradoodle oder Lagotto) oder eine übermässige Cerumenproduktion (häufig bei Cocker Spaniels, Labradoren und Springerspaniels) begünstigen die Entstehung einer Ohrenentzündung deutlich.
Auch Schwimmen und Tauchen können das Risiko erhöhen, da Feuchtigkeit im Ohr ein ideales Milieu für Keime schafft. Zudem kann übermässiges Reinigen der Ohren oder die Verwendung von Wattestäbchen das Ohr reizen und dadurch eine Entzündung auslösen oder verschlimmern.
Primäre Faktoren, die eine Otitis auslösen können, sind vor allem allergische Hauterkrankungen, und diese stellen mit grossem Abstand die häufigste Ursache dar.
Bei jungen Tieren spielen Parasiten, wie zum Beispiel Ohrmilben, eine wichtige Rolle und können ausgeprägte Entzündungen verursachen.
Auch obstruktive Erkrankungen wie Polypen, Neoplasien oder Fremdkörper können eine Otitis hervorrufen. Weitere primäre Ursachen sind Keratinisierungsstörungen sowie bestimmte Autoimmunerkrankungen, die ebenfalls zu einer Entzündung des Gehörgangs führen können.
Sekundäre Faktoren, wie zum Beispiel Bakterien oder Malassezien, gehören nicht zu den ursprünglichen Auslösern einer Otitis, sondern nutzen ein bereits krankes oder verändertes Ohrmilieu aus, um sich stark zu vermehren. Das bedeutet: Wenn das Ohr durch eine primäre Ursache wie eine Allergie, Parasiten, einen Fremdkörper oder anatomische Probleme bereits gereizt oder entzündet ist, gerät das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen aus dem Lot. Bakterien oder Malassezien, die in geringer Anzahl ganz normal im Ohr vorkommen können, vermehren sich dann übermässig und verschlimmern die Entzündung.
Wenn ein Hund Ohrprobleme hat, zeigt er meist sehr deutliche Beschwerden:
Eine gründliche Untersuchung ist wichtig, um herauszufinden, welcher Erreger beteiligt ist und wie die Entzündung entstanden ist. Der Tierarzt untersucht den Gehörgang, beurteilt Rötung, Schwellung, die Art des Sekrets und den Zustand des Trommelfells. Befindet sich ein Fremdkörper im Ohr, kann dieser häufig bereits während der Otoskopie erkannt werden.
Mit einem Wattestäbchen wird zudem Ohrsekret entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Hierbei kann man Erreger oder Zellen erkennen:
Eine zytologische Untersuchung ist wichtig, um die richtige Therapie auszuwählen.
Nicht immer ist eine Ohrenuntersuchung sofort möglich, da manche Hunde aufgrund starker Schmerzen die Manipulation am Ohr nicht zulassen. In diesem Fall ist eine kurze Vorbehandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten erforderlich, damit das Ohr nach einigen Tagen schmerzfrei untersucht werden kann.
In schwerwiegenden Fällen oder bei nicht abheilenden Otitiden ist eine bakteriologische Untersuchung inklusive Antibiogramm sinnvoll, um die passende antibiotische Therapie auszuwählen.
Wenn der Verdacht auf eine Mittelohrentzündung besteht oder man eine Zubildung im Ohr vermutet, sind weiterführende Untersuchungen wie eine Video-Otoskopie oder eine CT-Untersuchung angezeigt.
Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger, dem Schweregrad und der zugrunde liegenden Ursache.
Die Ohrreinigung ist ein zentraler Bestandteil der Therapie, denn Zerumen und Eiter können die Wirksamkeit von Medikamenten deutlich vermindern. Je nach Befund werden ceruminolytische, wässrige oder milde Reiniger eingesetzt. Für die Reinigung sollte auf Wattestäbchen verzichtet werden, da sie den Schmutz noch tiefer in den Gehörgang schieben können. Nach der Applikation des Reinigers wird der äussere Gehörgang etwa 30 Sekunden massiert – idealerweise ist dabei ein plätscherndes Geräusch zu hören. Danach darf der Hund den Kopf schütteln, und überschüssige Flüssigkeit kann am Ohreingang vorsichtig mit einem Wattebausch entfernt werden. In diesem Video erfährst du, wie du die Ohren deines Hundes richtig reinigst.
Die lokale Therapie besteht in den meisten Fällen aus Ohrentropfen, die zu Hause angewendet werden. Abhängig vom Befund enthalten sie Antibiotika, Antimykotika gegen Pilze und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kortison. Bei Malassezien oder Mischinfektionen kommen häufig Kombinationspräparate zum Einsatz, die sehr effektiv sind.
Eine systemische Behandlung – zum Beispiel mit Tabletten, die im gesamten Körper wirken – ist in bestimmten Situationen notwendig, etwa bei sehr starken Schmerzen, ausgeprägter Schwellung oder Verengung des Gehörgangs, bei einer Beteiligung des Mittelohrs oder wenn die lokale Behandlung nicht zuverlässig möglich ist. Zum Einsatz kommen dann Glukokortikoide und/oder systemische Antibiotika, die nach Antibiogramm ausgewählt werden.
Regelmässige Nachkontrollen sind entscheidend, um sicherzugehen, dass die Entzündung vollständig abgeheilt ist – denn nur dann kannst du Rückfällen vorbeugen.
Die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ist besonders wichtig, vor allem bei Allergien, hormonellen Störungen oder anatomischen Problemen. Ohne Ursachenbehandlung kommt es häufig zu Rückfällen.
Eine gute Vorbeugung beginnt damit, dass dein Hund früh lernt, sich problemlos an den Ohren berühren zu lassen. So kannst du die Ohren regelmäßig kontrollieren und Veränderungen schnell erkennen. Hunde mit empfindlichen Ohren profitieren von einer gelegentlichen Reinigung mit einem milden, für Hunde geeigneten Ohrreiniger – jedoch nicht zu häufig, da übermässiges Reinigen selbst Entzündungen begünstigen kann. Nach dem Baden oder Schwimmen sollten die Ohren gründlich getrocknet werden, damit sich keine Feuchtigkeit im Gehörgang staut.
Die Haare im Gehörgang sollten grundsätzlich nicht gezupft werden, da das Zupfen die empfindliche Haut im Ohr reizen und sogar selbst eine Entzündung auslösen kann. Nur in wenigen Ausnahmefällen – zum Beispiel wenn so viele Haare im Ohr wachsen, dass eine lokale Medikamentengabe nicht möglich ist – kann das Entfernen der Haare sinnvoll sein. Dies sollte jedoch immer nur nach tierärztlichem Rat erfolgen
Die Prognose hängt stark davon ab, ob es sich um eine einmalige oder um eine chronisch wiederkehrende Ohrenentzündung handelt.
Eine sporadische akute Otitis heilt mit der richtigen Behandlung meist schnell ab – oft bereits innerhalb weniger Tage.
Schwieriger sind chronische oder immer wiederkehrende Fälle. Hier spielen häufig Allergien, anatomische Besonderheiten oder langfristige Entzündungsprozesse eine Rolle. Mit einer gezielten Diagnostik und einem strukturierten Therapieplan lassen sich jedoch auch hartnäckige Verläufe erfolgreich behandeln.
Leidet dein Hund an Allergien, ist eine gründliche Allergieabklärung besonders wichtig, da wiederkehrende Ohrenentzündungen häufig damit zusammenhängen. Regelmässige tierärztliche Kontrollen helfen zusätzlich dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und langfristigen Problemen vorzubeugen.
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